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PC-Spieletest / Game-Review: THE ELDER SCROLLS V: SKYRIM (2011)

Entwickler: Bethesda Softworks
Publisher: Bethesda
Altersbeschränkung: Ab 16 / 18
Genre: Rollenspiel
Auch erschienen für: Xbox 360 / Playstation 3

Ganz Himmelsrand steht Kopf… Errette uns, oh mächt’ges Drachenblut !

Skyrim, ein Riesenspiel mit einer riesigen Fantasy-Spielewelt voller Mysterien, kriegerischen Aspekten und regem Tagesgeschäft. Der Nachfolger des preisgekrönten ‚Oblivion‘ wäre um ein Haar der Spieletitel schlechthin geworden – zuminjdest in Bezug auf das späte Spieljahr 2011. Wäre… ? Beinahe… ? In der Tat wohnen dem Bethesda-Titel um das atmosphärische Drachenschlächter-Szenario zahlreiche Schwachpunkte inne, die teilweise nicht hätten sein müssen. Welche das sind, und warum Skyrim dennoch ein empfehlenswerter Titel ist, soll in diesem zusammenfassenden Review geklärt werden.

So soll, ausnahmsweise – ein Schwerpunkt auf eine Kritik in Tabellenform gelegt werden; die sich etwas weniger umfangreich und übersichtlicher gestalten sollte als ein Volltextreview. Dies bietet sich bei einem derart großen, fast schon ‚epischen‘ Titel wie Skyrim einfach an – zumal die Hintergründe zur Spielereihe und zu den spezifischen Inhalten an dieser Stelle kein Thema sein sollen. Nur soviel: Skyrim, der nunmehr fünfte Teil einer renommierten Spielereihe oder auch -Saga, setzt wie kein anderes Spiel auf Fantasy-orientierte Inhalte voller antiker Geheimnisse, Fabelwesen, urtümlicher Städte und wagemutigen Kriegern. Wenn man die vorherigen Teile gespielt hat, fällt der Einstieg in den ureigenen Spielekosmos natürlich ungleich leichter – aber auch als Neueinsteiger wird man schnell in ihren Bann gezogen. Wer ‚mehr‘ wissen möchte, der kann sich unter anderem die zahlreichen im Spiel hinterlegten Hintergrundgeschichten zu Gemüte führen – es gilt, mit allen möglichen NPC’s zu sprechen, unzählige Bücher zu lesen und längst verlorengeglaubte Fähigkeiten neu zu entdecken.

Es ist offensichtlich, dass die Entwickler eines solchen Mammutprojekts, bei dem die riesige, frei erkundbare Spielewelt als Aushängeschild Nummer eins fungiert, besonderen Herausforderungen begegnen mussten. So kann man ihnen zum Endprodukt Skyrim zweifelsohne gratulieren – man findet eine enorme Prise Herzblut im Spiel wieder, und merkt dem ‚Sykrim-Universum‘ die investierte Zeit und Arbeit an. Allerdings hat ein Projekt wie dieses damit auch automatisch mit gewissen Nachteilen, die sich letztendlich in einigen Unzulänglichkeiten im Spiel wiederspiegeln, zu kämpfen. Sicher, man kann es nicht allen (Spielern) recht machen, doch gerade heutzutage fällt es vielen immer kritisch gewordenen Spielern schnell auf, ob bestimmte ‚Schattenseiten‘ eines Spiels hätten verhindert werden können oder nicht. Und tatsächlich: Die Atmosphäre von Skyrim ist grundsätzlich einzigartig-episch, doch einige Schnitzer wissen diese etablierte Atmosphäre wieder leicht zu kippen. Noch immer gilt, dass in vielen Punkten der persönliche Geschmack eine große Rolle spielt oder eine Differenz in Bezug auf die eigene Erwartungshaltung festzustellen ist – doch andere Punkte scheinen gar offensichtlich unerklärlich, gerade in Anbetracht des jeweiligen Zeitinvestements.

Es gilt eben nicht nur, eine ansehnliche Spielwelt zu generieren (Schritt 1), sondern diese auch mit Leben und Sinn zu füllen (Schritt 2) – sondern auch, dem Spieler das so entstehende Vergnügen durch teilweise lächerlich-simple Designschnitzer wieder leicht zu vermiesen (Schritt 3: Spielmechanik, Bedienung, Möglichkeiten). Es ist offensichtlich: Skyrim meistert den ersten Schritt noch mit Bravour, nimmt den zweiten voller Inbrunst in Angriff – und bleibt dabei auf halber Strecke stecken, ohne dass der dritte Schritt überhaupt angetastet wird. Das ist schade, und soll hoffentlich anhand folgender Auflistung ersichtlicher beziehungsweise nachvollziehbarer gemacht werden. Beginnen wir jedoch vorerst mit den (ebenfalls zahlreichen) Stärken, die glücklicherweise etwas ’schwerer‘ wiegen als die Schwächen. Nun denn, was macht Skyrim zu einem wirklich guten Spiel ?

+ Die Hübsche Grafik

  • ‚Epische‘ Landschaften & Szenenbilder
  • Unterschiedliche Gegenden (Felsige, Schnee- und Eislandschaften, Wälder, Dörfliche, Slums et cetera)
  • Wettereffekte (Regen, Schnee, Stürme, Sonnenlicht)
  • Tag- und Nachtwechsel
  • Pflanzenbewuchs, Sträucher
  • Beleuchtungen
  • NPC-Design

+ Der Grandiose Sound

  • Stimmiger, erhabener Soundtrack
  • Wirksame Umgebungsgeräusche
  • ‚Epische‘ Musikuntermalung bei großen Ereignissen (Levelaufstieg, Drachenseelen)
  • Gute Soundeffekte (Kämpfe, Zauber, Umwelt)
  • Sehr gute, ambitionierte Sprecher

+ Das Stimmige Gefühl Der Spielewelt

  • Riesiges, weitläufiges und frei erkundbares Areal
  • Verschiedene Gegnertypen: von menschlich bis bestialisch, von klein bis riesig, von leicht bis ausserordentlich zäh
  • ‚Heimelige‘ Orte, dichte Wälder, verödete Eislandschaften > Übergänge flüssig und stimmig
  • Begleiterfunktion
  • Reittiere / Pferde (kaufen, finden oder stehlen)
  • Überall Gegenstände zum mitnehmen / sammeln / kombinieren / verkaufen
  • Spannende Hauptquest um Drachen und einen Bürgerkrieg
  • Zahlreiche Nebenquests, massenweise Dungeons
  • Andere Beschäftigungen möglich (Kräuterkunde, Bücher zum Stöbern, Eigenheime einrichten)
  • Gemütliche ‚Eigenheime‘ mit Wohlfühlgarantie

+ Die Spielmechanik / Die Kämpfe

  • Schnellspeichern jederzeit möglich, Autosaves an Levelübergängen
  • Genügend Platz im Inventar > ganzes Item-Arsenal findet Platz, Begleiter ebenfalls als Auslagerung möglich, Kisten und Regale als weitere Möglichkeiten
  • Spannende Kämpfe, da wechselhafter Schwierigkeitsgrad (klapperige Skelette bis zu starken Drachen)
  • Besondere Fähigkeiten erwerbbar (Zauber, Schreie, Spezialwaffen)
  • Wechsel zwischen Nahkampf, Zauberei und Tränken jederzeit möglich

So manches Mal hat man dann aber doch das Gefühl, etwas besonders ‚komplett‘ oder vollständig aufführen zu müssen. Und so soll es auch im Falle der vielen kleinen Negativaspekte von Skyrim sein. Diese Liste soll allerdings nicht dazu dienen mögliche Interessenten zu ‚erschlagen‘, sondern vielmehr als ‚Wunsch ans Universum‘ gesehen werden – für einen möglichen nächsten Teil der Spielreihe. Die Kritikpunkte werden in 3 ‚Schweregrade‘ unterteilt: die Absoluten Frechheiten stehen auf Position eins und beinhalten Kritikpunkte, die beinahe unverzeihlich für ein anständiges 2011’er Spielrelease sind – besonders, wenn der Name Bethesda auf der Verpackung steht. Danach folgen die Mittelprächtigen Schnitzer; das können kleinere Bugs, generell nervige Elemente oder Athmosphäre-Hemmer sein. Als letztes folgen dann noch die Kleinigkeiten, die in erster Linie Geschmackssache sind; wie zum Beispiel matschige Texturen oder ähnliches. Wohlan… was macht Skyrim zu einem nicht ganz so unanfechtbaren TOP-Titel ?

1. – Die absolut (vermeidbaren) Frechheiten

  • Unerträgliche Menüführung (unschöne, unübersichtliche und unsortierte Listen-Inventare). Folgen bei ‚größerem Gepäck‘: Dauersuchen, Dauerscrollen und Dauer(ver)klicken
  • Keine Tastenbelegung für favorisierte Items – über eine Taste wird eine weitere Liste geöffnet (die ebenso schnell unübersichtlich werden kann)
  • Kein Moralsystem, ob ‚gut‘ oder ‚böse‘ spielt letztendlich keine Rolle
  • Gegner leveln mit, und das nicht immer nachvollziehbar: Drachen einstweilen schwächer als ein dahergelaufener Waldbär
  • Kampfsystem besonders im Nahkampf unspektakulär und stellenweise merkwürdig (Schläge treffen aus enormer Entfernung)
  • Deutsche Version: Sich ständig und viel zu schnell wiederholende Sprecher

2. – Die mittelprächtigen Schnitzer

  • Charakterfigur und NPC’s noch viel zu ‚unbeweglich‘ und starr (Sprung- und Fallanimationen)
  • Nicht durchgängig überzeugende KI und Wegfindung
  • Stellenweise viel zu leere / unbevölkerte / uninteressante Levelabschnitte
  • Bedrohung des Krieges nicht wirklich spürbar, keine einschlägigen Ereignisse
  • Erfolge im Spiel bleiben unerwähnt oder haben keine Auswirkungen auf das ‚Ansehen‘ des Spielers
  • Etwas ‚einseitige‘ Dialoge, zu wenig Antwortmöglichkeiten, Spielereien, Beeinflussungen
  • Mit Pfeilen getroffene Gegner verhalten sich merkwürdig, wenn man im Schleichmodus ist (‚ist da wer‘?)
  • Pferde als (einziges) Reittier unattraktiv: hakige Animationen, zu langsam, nicht für Begleiter, keine berittenen Kämpfe
  • Massen an Zutaten, Tränken und Co. – doch letztendlich füllen sie nur das Inventar (Mühe in Sachen Alchemie usw. lohnt nicht)
  • Etwas unübersichtliche Karte (keine 2D-Version verfügbar)
  • Verhältnis von Hauptquests und Nebenquests sehr unausgewogen (etwa 10/90)
  • Kleinere Felsen können zu unüberwindbaren Hindernissen werden, Sprungfunktion tut’s nicht immer

3. – Die vielen Kleinigkeiten

  • Unglaubwürdige NPC’s: erteilen dem Spieler ’sofort‘ allerlei Aufträge
  • Charaktere viel zu unspezialisiert (schnell ist alles mit allem kombinierbar)
  • Wer soll die ganzen Bücher lesen – Atmosphäre ja, aber zuviel Masse
  • Verschiedene Dörfer nett, aber sich wiederholende Elemente (Tavernen, Quests)
  • Schlafen / Warten eigentlich nicht von nutzen (ausser aufgrund von Lichtverhältnissen)
  • Stellenweise zu lange Laufwege
  • Besondere Quest-Momente a’la Einschmuggeln auf Party noch zu selten
  • Mit dem Pferd kommt man überall… 1. hinauf (zu hohe Felsen), und 2. herunter (Wasserfälle)
  • Unsichtbare Levelgrenzen
  • Vorraussetzung: Steam
  • Möglich: Spiel läuft nicht zu 100% stabil
  • Möglich: Clippingfehler, besonders sobald man reitet (an Abhängen, Felsen, im Wasser)
  • Möglich: Zu ‚matschige‘ Texturen in der Nahansicht

Fazit: Aus Skyrim hätte ein zeitloser Top-Titel werden können, der sich in Wertungsbereichen jenseits der 90 wiedergefunden hätte. Einige Spielemagazine sehen das Spiel sogar da – doch für eines der besten Spiele aller Zeiten reicht es dann – beileibe – doch nicht. Dafür bringt Skyrim noch bei weitem zu viele Negativaspekte mit sich, von denen nur ein minimaler Anteil mit zukünftigen Patches gefixt werden wird, wenn überhaupt. Eigentlich ist alles da – eine riesige Spielwelt voller Freiheiten und Möglichkeiten, eine gute Spielmechanik – doch letztendlich fehlt es noch an einer besseren Füllung des Ganzen; nennen wir es sinnbildlich die ‚Beseelung der Spielwelt‘. Hätte Skyrim beispielsweise ein ausgefeiltes Moralsystem, noch spektakulärere Orte an denen wirklich ‚etwas los‘ ist, und ein deutlich ausgewogeneres Verhältnis von Haupt- und Nebenquest – dann hätte man vielleicht auch über die schrecklichen Designschwächen (Stichwort Inventar) hinwegsehen können. Alles in allem muss man dennoch sagen, dass das Preis-Leistungsverhältnis ein sehr gutes ist – denn für seinen handelsüblichen Kaufpreis bietet Skyrim eine unglaubliche Zahl von größtenteils sinnvoll investierten Spielstunden ohne dass es wirklich langweilig wird. Zumindest während der ersten 100 Stunden.


85button

„Viele kleinere Macken verhindern eine höhere Wertung.“

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