Rezensionen: Serien

TV-Kritik / Anime-Review: ARGENTO SOMA

Typ: Anime-Serie (25-teilig + 1 OVA)
Originaltitel: Argento Sōma
Studio: Sunrise
Produktion: Hiroyuki Birukawa, Kenichi Matsumura, Shinichiro Kobayashi
Idee: Hajime Yatate, Hiroshi Yamaguchi, Hiroyuki Kitajima, Kazuyoshi Katayama, Shin Yoshida, Toru Nozaki
Land: Japan
Genre: Science Fiction

Die Episoden (Englische und Deutsche Titelangaben):

1 Rebirth and Death
Wiedergeburt und Tod
2 Death and Girl
Tod und Mädchen
3 Girl and Meeting
Mädchen und Treffen
4 Meeting and Hatred
Treffen und Hass
5 Hatred and Conflict
Hass und Konflikt
6 Conflict and Escape
Konflikt und Flucht
7 Escape and Memories
Flucht und Erinnerungen
8 Reminiscence and Solitude
Erinnerungen und Einsamkeit
8.5 Alone and by myself (OVA)
Einsam und allein
9 Solitude and Sorrow
Einsamkeit und Leid
10 Sadness and Murderous Intent
Leid und Arglist
11 Murderous Intent and Betrayal
Arglist und Verrat
12 Betrayal and Despair
Verrat und Verzweiflung
13 Despair and Hope
Verzweiflung und Hoffnung
14 Hope and Confusion
Hoffnung und Chaos
15 Confusion and Conflict
Chaos und Konflikt
16 Conflict and Decision
Konflikt und Entscheidung
17 Decision and the Past
Entscheidung ung Vergangenheit
18 The Past and Deadly Sins
Vergangenheit und Verbrechen
19 Deadly Sins and Warning
Verbrechen und Warnung
20 Warning and Awakening
Warnung und Erwachen
21 Awakening and Truth
Erwachen und Wahrheit
22 Truth and Destruction
Wahrheit und Zerstörung
23 Destruction and Courage
Zerstörung und Mut
24 Courage and Love
Mut und Liebe
25 Love and Rebirth
Liebe und Wiedergeburt

Ein Alien kommt selten allein…

Inhalt: Die Menschheit ist technologisch weit fortgeschritten – doch die Zukunft bringt auch unheilvolles mit sich. So erscheinen in den Weiten des Weltalls seltsame, bedrohlich wirkende außerirdische Wesen mit besonderen Fähigkeiten, die den Menschen nur in ihrem grobem Erscheinungsbild zu ähneln scheinen. Offenbar haben sie alle ein Ziel: sie wollen einen bestimmten Punkt auf der Erde, den sogenannten Pilgrimage Point erreichen. Doch dazu will es das Militär und die Organisation Funeral nicht kommen lassen – die Außerirdischen werden mit allen Mitteln davon abgehalten und im besten Fall vollständig vernichtet. Doch sobald eines der Wesen ausgeschaltet wurde, erscheint wenig später auch schon ein weiteres, mitunter noch gefährlicheres – die sogenannten progressiven Aliens verfügen über erstaunliche Fähigkeiten. Als eines der Mitglieder von Funeral ist Neuzugang Ryu Soma darauf spezialisiert, gegen die Außerirdischen ins Feld zu ziehen – doch sein Hintergrund liefert ihm noch einen weiteren Grund, sich bei Funeral einschleusen zu lassen. So ist eines der außerirdischen Wesen unter der Kontrolle von Funeral – der EX-1, der auf den Namen Frank getauft wurde. Dieses metallische Wesen hat bei all der Hilfe die es leistet allerdings Ryu’s ehemalige Freundin und Kollegin auf dem Gewissen – so glaubt er. Nicht zu Unrecht fragt er sich also, ob man diesem offensichtlich beseelten Roboter-Koloss wirklich trauen kann. Wird er nicht doch noch zur Gegenseite überlaufen, wenn er sich seiner wahren Identität gewahr wird ? Nur Hattie, ein 12-jähriges Mädchen kann mit dem EX-1 kommunizieren – und wird fortan sogar von dem mächtigen Wesen beschützt. Allen Beteiligten bleibt vorerst nicht viel mehr, als sich den Befehlen der oberen militärischen Ränge zu unterwerfen – und die außerirdischen mit Hilfe des EX-1 zu vernichten. Doch was steckt tatsächlich hinter der seltsamen ‚Invasion‘ ?

Kritik: Irgendwie kommt einem der Inhalt von Argento Soma (zumindest als Anime-Kenner) mehr als nur leicht verdächtig vor… mysteriöse Außerirdische, die die Erde und dazu noch einen ganz bestimmten Punkt auf der Landkarte erreichen wollen ? Eine Organisation namens Funeral, die sich explizit mit der Bekämpfung dieser Wesen befasst; wobei in Wahrheit doch ganz andere ‚Hintermänner‘ das Sagen haben ? Ein noch recht junger Mann / Jugendlicher, der durch einen Schicksalsschlag und unvorhergesehene Ereignisse vom fähigen Schüler zum heimlichen ‚Anführer‘ der Truppe avanciert ? Die Rede vom ‚Untergang der Welt‘, sobald die Außerirdischen den einen bestimmten Punkt, den Pilgrimage Point, erreichen ? In der Tat klingt all dies verdächtig nach Neon Genesis Evangelion, dem Kult-Anime, der nur wenige Jahre vor Argento Soma das Licht der Welt erblickte. So macht die Serie offenbar keinen Hehl aus den offensichtlichen Anleihen – was noch ein wenig frecher wäre, schließlich sind die Parallelen nur allzu offensichtlich. Sicherlich ist es grundsätzlich nicht zu kritisieren, dass ein so einflussreicher Anime wie Evangelion seine Nachahmer findet (negativ ausgedrückt) oder als Inspirationsquelle dient (positiv ausgedrückt) – doch leider vermögen es die Macher hinter Argento Soma lediglich einige potentiell spannende Elemente zu kopieren – aber nicht, eine eigenständige und vom Anfang bis zum Ende packende Geschichte zu erzählen.

Natürlich gibt es einen Plot, auf dessen Auflösung kontinuierlich hingearbeitet wird – nur dauert das vergleichsweise lang. Auffällig lang sogar – nachdem die ersten Episoden (etwa 1-4) noch einen guten Start in das Argento Soma-Universum bieten, flacht das erzählerische Niveau danach völlig ab – und mit ihm die von der Serie ausgehende Faszination. Nachdem man als Zuschauer einen ungefähren Überblick über die aktuell vorherrschenden Situationen und Hierarchien gewonnen hat, beschäftigt sich die Serie vornehmlich mit den immer wiederkehrenden Kämpfen zwischen Außerirdischen und Menschen, die auch in Argento Soma in – was denn auch sonst – technologisch hochentwickelten Kampfrobotern sitzen. Diese sehen einerseits erfrischend im Anbetracht des überhäuften Mecha-Genres aus (schließlich können sie sich im Flug zwischen der Mecha- und einer Flugzeugform verwandeln) – doch andererseits verweist das ‚Geheimnis‘ hinter den Maschinen abermals auf den Evangelion-Kontext. Wer den Kult-Anime also bereits gesehen hat, für den wird Argento Soma höchstwahrscheinlich wie ein müder Abklatsch ohne großartige Überraschungen daherkommen. Wobei es zumindest doch noch eine gibt – der ‚große Twist‘ von Argento Soma findet jedoch erst zu einem späten Zeitpunkt statt. Das ist einerseits schlecht, da gerade der Mittelteil (Episoden 5-15) recht ermüdend daherkommt – andererseits kann so der Aufmerksamkeitsgrad gegen Ende doch noch einmal deutlich gesteigert werden.

Die Auflösung beziehungsweise das große Finale allerdings ist ein weiterer Knackpunkt – anders als in Evangelion legt man in Argento Soma (fast) alle Karten auf den Tisch. Das mag im Sinne des Verständnisses förderlich sein, jedoch bleibt so kaum Platz für anhaltende und über den Serienkontext hinausgehende Mysterien. Das die letztendliche Auflösung noch zusätzlich diffus daherkommt, macht es sicher nicht besser. Wobei man dieses ‚diffus‘ genauer definieren muss: es gibt am Ende nicht wirklich etwas zu verstehen oder nicht zu verstehen; vielmehr wirkt es schlicht unglaubwürdig und aus dem Off zusammengeschustert. Natürlich bleiben noch Fragen offen, vor allem die nach dem Sinn oder Unsinn des gezeigten – anders als in Evangelion oder ähnlichen Serien entsteht aber nicht das Gefühl, als wüssten die Macher ganz genau, was sie da tun und beabsichtigen. Und so bleibt noch etwas aus: während man in anderen Genre-Serien oftmals das Gefühl bekommt, als beträfen die Geschehnisse wirklich alles und jeden (auf der Erde, gar im Universum), so wirkt Argento Soma über weite Strecken recht desolat, die Handlung isoliert. Man bekommt keine Reaktionen der Zivilbevölkerung zu sehen, auch die Charaktere auf die sich die Handlung stützt wirken nicht gerade wie aus dem Leben gegriffen. Der Zugang wird also zusätzlich erschwert, die Niveaus von Nachvollziehbarkeit und Empathie halten sich jeweils deutlich in Grenzen.

Stichwort Charaktere: im Grune trägt ein einzelner die schwere Last der etwas kruden Story auf seinen Schultern, und das ist Ryu Soma. In seine Figur erhält man als Zuschauer einen tieferen Blick; seine innere Zerrissenheit und sein Gefühls(er)leben werden deutlich. Die anderen Charaktere verkommen im Zuge dessen allerdings beinahe zu Randfiguren, nicht einmal der EX-1 (der mysteriöse Kampfroboter) wird mit einer expliziten ‚Wichtigkeit‘ für den Storyverlauf versehen (mit Ausnahme des Finales). So wird man einstweilen leicht in die Irre geführt – man erwartet, dass die Geschichte um Ryu Soma noch ausgeweitet werden würde, vielleicht sogar ins surreale, ins fantastische abdriften würde (zumal seine ersten Begegnungen mit demjenigen, der ihm den Namen Soma verpasst, danach aussehen) – doch nichts dergleichen passiert. Für alles andere, was zwischen den Zeilen stattfindet hätten 13 Episoden beileibe gereicht – das wären in erster Linie Dinge wie die Frage, ob eine ‚Existenzberechtigung‘ für alle und alles gelten kann, und wenn nicht; wer dann die Regeln dafür aufstellt. Ja, darf man als einzelner und keinesfalls allwissender Mensch überhaupt Entscheidungen treffen, die das Leben anderer gefährden ? Doch in der vorliegenden Fassung und mit satten 26 Episoden schleicht sich so unweigerlich ein teilweise erheblicher Leerlauf ein, der erst wieder gegen Ende verschwindet.

Doch das ist noch nicht alles: ein weiteres Manko ist die Technik, die bei Argento Soma zum Einsatz gekommen ist. So wird der spezielle Zeichenstil nicht jedermann begeistern – und tatsächlich, besonders hübsch wirkt die Serie (für ein 2000’er Release) nicht. Gerade die Gesichter der Charaktere wirken recht kantig und somit noch zusätzlich ‚unecht‘, viele Szenen weisen nicht gerade einen hohen Detailreichtum auf. Ebenfalls ärgerlich: die Außerirdischen haben zwar mitunter differente Fähigkeiten (warum auch immer > ‚Mysterium Soma‘), doch in Sachen Design hätte man hier wahrlich mehr Herzblut investieren können und sollen. Immerhin wirken einig der Hintergrundzeichnungen stimmig, und auch der Soundtrack kann im großen und Ganzen als gelungen bezeichnet werden – von gewissen kleineren Nerv-Faktoren einmal abgesehen. So ist es zwar schön und gut, die japanischen Synchronsprecher in Aktion zu erleben – doch im Falle des kleinen Mädchens Hattie kann dies schnell ins Gegenteil umkehren (allgemein sehr laut und weinerlich, sich ständig wiederholende Formulierungen). Auch das Intro und Outro der Serie wirken wie ‚Meterware‘ – sie sind nichts besonderes. Gerade das Outro erscheint im Gegensatz zum etwas wehmütigen (und damit stimmigen) Intro etwas deplatziert, vor allem im Bezug auf die Musikuntermalung.

Die Positiv- und Negativaspekte von Argento Soma im Überblick:

+ Bedrohlich-mysteriöse Grundstimmung (besonders zu Beginn der Serie)
+ Intensives Charakterporträt der Hauptfigur ‚Ryu Soma‘
+ Rasante Alien-Roboterkämpfe mit Taktik
+ Stimmiger Soundtrack
+ Überraschender Twist gegen Ende
+ Offenes Ende

– Vieles wirkt wie ein müder Abklatsch anderer Serien (hauptsächlich Evangelion)
– Reichlich krude, explizit offen gehaltene Grundidee im Stile von 2001: Odyssee im Weltraum
– Story relativiert sich teilweise selbst
– Nachvollziehbarkeit und Empathie bleiben aus
– Spannungs- und Unterhaltunsniveau schwankend
– Charaktere ungleichmäßig porträtiert
– Desolate Stimmung (unbeabsichtigt – vergleiche Ergo Proxy)
– Gewöhnungsbedürftiger Zeichenstil
– Stellenweise ‚hässliche‘ Charaktere
– Detailarmut, schwankende Animationsqualität
– Optik insgesamt nicht zeitgemäß (für das Jahr 2000) und leicht ’schluderig‘
– Einfallsloses Alien-Design
– Stellenweise nervige japanische Synchronsprecher
– Unpassendes Outro

Fazit: Argento Soma ist eine Serie, die eher schlecht als recht abkupfert; im Endeffekt dann doch noch eine eigene Story konstruiert – allerdings eine recht hanebüchene und keinesfalls zu hinterfragende. Letztendlich muss man das gezeigte so wie es ist hinnehmen, weitere Anhaltspunkte über einen möglichen Sinn oder eine ‚allgemeine Wahrheit‘ (die es ggf. zu erforschen gilt) gibt es nicht. Hieraus entsteht ein mitunter gravierendes Problem: nachdem man einen Großteil der ‚Auflösung‘ erfährt, kann einem das vorangegangen als Zuschauer zusätzlich bedeutungslos erscheinen; die ersten 15-20 Episoden werden also teilweise relativiert – und das ist ein Fauxpas, der bei einer guten Anime-Serie einfach nicht passieren darf. Ja, warum hat man es nicht gleich zugelassen, dass ein ‚Außerirdischer‘ den Pilgrimage Point erreicht (politische Irren und Wirren einmal aussen vor) ? Der anzunehmende Grund: damit die Charakterentwicklung so von statten gehen konnte wie vorgesehen – ein anderer Sinn erschließt sich aufgrund des Materials jedenfalls kaum. So sei auch die ‚OVA‘ noch einmal zum Abschluss erwähnt: in Wahrheit füllt sie eine (eigentlich nicht vorhandene !) Lücke zwischen den Episoden 8 und 9, bietet also auch kaum aufschlussreiche Informationen oder eine bedeutend spannende Handlung. Schlussendlich kann keine ausgesprochene Empfehlung vergeben werden, Argento Soma ist ausschließlich etwas für Die-Hard-Fans des Genres. Alle anderen werden aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuscht werden. Lediglich der ‚große Twist‘ gegen Ende verhindert schlimmeres, dieser sorgt als mitunter einziger Faktor für einen deutlicheren Aha-Effekt.


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„Interessant-kuriose Idee, mittelmäßige Umsetzung.“

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