Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: ASSASSIN’S CREED BROTHERHOOD (2011)

Originaltitel: Assassin’s Creed Brotherhood
Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Land: Kanada
USK: Ab 16
Genre: Action-Adventure
Tags: Assassins Creed | Templer | Assassinen | Venedig | Attentate

Im Banne der Bruderschaft.

Inhalt: Der endlose Kampf gegen die mächtigen Templer geht weiter – sowohl in der heutigen Zeit, als auch in der Vergangenheit. Mit Hilfe des legendären Animus reist der junge Desmond, ein Nachfahre von Ezio Auditore; zumindest gedanklich nach Rom. Dort übernimmt er die Rolle des legendären Meister-Assassinen, der einen erbitterten Kampf gegen die Borgia führt. Die wollen ganz Rom für sich beanspruchen und das gesamte Volk unterjochen, was ihnen schon beinahe gelungen ist – Wachtürme und ganze Stadtteile sind bereits von ihnen besetzt. Doch sie haben die Rechnung ohne Ezio gemacht, der diesmal seine gesamte Assassinen-Bande mit auf das Schlachtfeld holt. Natürlich gilt es, diese erst einmal zu rekrutieren und auszubilden – sind sie dann soweit, zu Assassinen befördert zu werden, eilen sie Ezio im Kampf zur Hilfe herbei. BROTHERHOOD knüpft hierbei direkt an die Handlung des zweiten Teils an (siehe Review), wobei die vergleichsweise einiges umfassende Geschichte wohl auch mit diesem Teil noch nicht auserzählt sein wird. Die spannende Sage geht weiter, und der Spieler bekommt abermals die Chance, ein Teil von ihr zu werden. Bevor die Ergebnisse der Erinnerungen aber verwertet werden können gilt es, Rom von den fremden Mächten zu befreien und dabei allerhand Abenteuer zu erleben…

Man muss schon sagen – die Spielreihe um das ASSASSIN’S CREED-Franchise hat sich im Laufe der Zeit kontinuierlich verbessert. Während schon der erste Teil mit einer riesigen, offen wirkenden Spielwelt beeindrucken konnte – in der halsbrecherische und dabei auch noch hübsch anzuschauende Kletterpartien an der Tagesordnung standen – ist man seit dem legendären ASSASSIN’S CREED 2 und nun auch BROTHERHOD soweit, sich im Bereich wahrer spielerischer Meisterwerke zu bewegen. Schließlich, und das ist den verantwortlichen hoch anzurechnen; gab sich sichtlich Mühe, alle potentiellen Ärgernisse der Vergangenheit endgültig aus dem Weg zu räumen. Wenngleich dem Spiel ein mindestens halb-linearer Spielverlauf zugrunde liegt, ist das Gefühl, sich „frei“ in einer riesigen Stadt zu bewegen präsenter als je zuvor. Immerhin gibt es neben den obligatorischen (und meist atemberaubend inszenierten) Hauptmissionen zahlreiche andere Gelegenheiten, seinen Hauptcharakter Ezio anderweitig zu beschäftigen. So kann er auf gut Glück die Stadt erkunden (und dabei auch mal „baden“ gehen oder verträumt auf einer Gondel fahren), außerhalb von Missionen Borgia-Türme erobern und damit besetzte Gebiete befreien, Gebäude renovieren, zahlreiche Nebenmissionen (unter anderem bei den verschiedenen Fraktionen) absolvieren; oder aber der Vervollständigung des besonderen Achievement-Systems frönen. Das besondere: selbiges ist dieses Mal – und durch kleine Gimmicks wie erwerbbare Schatzkarten – endlich vollkommen frustfrei ausgefallen. Ebenfalls nett ist der im Menü sichtbare DNA-Strang, der den Fortschritt im Spielverlauf aufzeigt – und den Spieler entsprechend anspornt, noch mehr Aufgaben zu meistern. Sollte man lediglich die Hauptmissionen abschließen, wird man vermutlich bei einer Synchronität von „nur“ 50 oder 60 Prozent liegen – was die meisten wohl nicht gerne so stehenlassen möchten. Aber aufgepasst: es gilt nicht nur, die Missionen zum Abschluss zu bringen – sondern auch die Art und Weise der Erledigung spielt des öfteren eine Rolle. So werden nicht selten einige Voraussetzungen beschrieben, die zu einem 100%-tigen Missionserfolg führen: mal darf man nicht mehr als eine bestimme Anzahl Lebenspunkte verlieren, mal soll man einen Auftragsmord mit einer bestimmen Waffe ausführen… und so weiter. Das sorgt für einen zusätzlichen Anspruch und stellt einstweilen eine weitere Herausforderung an den Spieler dar. Eine im Vergleich zum Vorgänger noch deutlich spaßigere, wohlgemerkt.

Das wahre Highlight neben den fast schon kultig anmutenden Hauptmissionen sind aber wohl die sogenannten Romulus-Verstecke, die die Assassinen-Gruften aus dem Vorgänger ersetzen. Das Prinzip bleibt zwar dasselbe, es gilt verwinkelte Gemäuer zu erkunden und dabei gewisse Vorgaben zu erfüllen – doch in Sachen Atmosphäre hat man hier noch einmal ordentlich zugelegt. Das gilt auch für den neuen Schauplatz im alten Rom – und das trotz dessen, dass er insgesamt eher kleiner wirkt als die unterschiedlichen Karten (wie Florenz, das Basislager in Monteriggioni oder Venedig) des Vorgängers. Kompensiert wird das Ganze durch einen recht hohen Abwechslungsreichtum – reitet man in der Stadt umher, kommt man immer wieder in gefühlt neue Gegenden, in denen es jeweils andere Dinge zu sehen und zu entdecken gibt. Weitläufig genug, um sich nicht vorschnell sattzusehen ist BROTHERHOOD aber ohnehin – und die netten optischen Highlights (etwa in Form besonderer Gebäude wie des Kolosseums) geben dem Spieler Orientierung. Fest steht: mit einem Titel wie BROTHERHOOD hält ein immer noch relativ seltenes Phänomen Einzug in die PC-Spielewelt: als Spieler wähnt man sich tatsächlich in der besagten Spielwelt, und handelt zumeist so, wie man es im echten Leben auch tun würde. Gut, wohl nur ansatzweise – aber es ist die erzeugte Stimmung, die zählt.

Dass bisher noch keine grafischen Aspekte benannt wurden, ist übrigens ein gutes Zeichen: das Spiel ist überaus schick und weiß, sich stimmig in Szene zu setzten. Dabei fungiert es im Gegensatz zu anderen Titeln aber nicht als Blender, oder anders gesagt: es reicht eben nicht, eine stimmige, schick aussehende Spielwelt zu erschaffen – den Entwicklern obliegt auch die weitaus kniffligere Aufgabe, dem Ganzen so etwas wie eine Seele einzuhauchen. Und das ist im Falle von BROTHERHOOD beinahe uneingeschränkt gelungen. Das alte Rom erblüht in seiner anzunehmenden, damaligen Pracht – und zwar in jeder Ecke. Für den größten Spaßfaktor sorgen dann aber wohl einige spezielle der Nebenmissionen: die von Leonardo Da Vinci nämlich. Zwar wird schon während der Hauptmissionen für ein gewisses Maß an Abwechslung gesorgt, aber hier wird dies noch deutlicher – nicht nur, weil man bei diesen Gelegenheiten mal andere Städte bereist als das Zentrum des alten Roms. Nein, hier bekommt man spezielle Aufträge, in denen man potentiell gefährliche Konstruktionen des alten Künstlers aufspüren und vernichten soll – natürlich nicht, ohne sie vorher mindestens einmal ausprobiert zu haben. Hier darf man sich dann auch in einer kurzen Einlage in die Lüfte schwingen – mit einer Flugmaschine. Schade nur, dass sie nur einmal im Spiel vorkommt… in Rom selbst darf man wenigstens eine Art Fallschirm benutzen. Abwechslung ist also reichlich geboten.

Natürlich kommt auch ein Spiel wie BROTHERHOOD nicht gänzlich ohne Negativaspekte aus, doch in diesem Fall – und in Anbetracht des insgesamt höchst positiven Eindrucks – wirken sie sich eher marginal aus. Der Vollständigkeit halber seien sie aber dennoch erwähnt. Da wäre beispielsweise die Tatsache, dass die nicht immer ganz, nun… handlich ausfällt. Es kann durchaus vorkommen, dass man sich mal „verspringt“ (gerade wenn die Kameraposition plötzlich wechselt), oder dass man aus Versehen mal die falsche Taste erwischt. Das ist deswegen zu verschmerzen, da es im Spiel selbst keine so große Auswirkungen hat – richtig übel kann es aber in den Herausforderungen mit Zeitlimit werden. Da wünscht man sich so manches Mal doch ein Gamepad, oder eine bessere Auslegung der PC-Steuerung daher. Der zweite, nicht ganz so wilde Negativaspekt bezieht sich auf die Belohnungen der Missionen und Achievements. Diese entsprechen, gelinde gesagt, kaum dem Aufwand. Wenn man also ganz Rom von Grund auf renoviert hat (ja, auch das simple Wirtschaftssystem des Spiels macht Laune), erhält man als Belohnung lediglich einen neuen Umhang – der sich kaum vom regulären unterscheidet. Das wirkt nicht gerade motivierend, es bleibt wohl ein Wunschtraum, als Belohnung vielleicht die Flugmaschine zu offerieren. Ohnehin wirkt es eher ernüchternd, wenn man Leonardo zu späteren Zeitpunkten aufsucht, der einen lediglich mit einem plumpen „ich weiss nicht, was ich dir noch bauen könnte“ abspeist. Die anderen beiden Negativaspekte sind in diesem Sinne keine, sie sind eher Beschreibungen zweier wesentlicher Bestandteile des Spiels, die noch Raum für Kritik und Verbesserungsvorschläge zulassen. Das sind…

  1. Die Kämpfe. Und damit auch automatisch die Gegner in allen Facetten (Typen, Taktiken), das Kampfssystem selbst und der Schwierigkeitsgrad. Nun, hier könnte man einfach noch ein wenig mehr feilen. Wirklich abwechslungsreich wirken die Kämpfe nicht, man ist eher froh wenn man die Gegner „schnell“ erledigen kann um nicht in den typischen Assassins Creed-Auswahlmodus zu wechseln. Denn der ist immer noch leicht frustrierend und sorgt für allerlei merkwürdige Momente. Da visiert man des öfteren den falschen Widersacher an, muss extra eine Taste drücken um wegzurennen… hier wäre ein wenig mehr Freiheit sicher nicht verkehrt. Denn, wagt man einmal ein entlarvendes Experiment, so wird diese Schwäche umso mehr deutlich: man stelle Ezio einfach mal inmitten einer Gruppe von 4-5 Gegner und warte ab. Hier sieht man wunderbar, wie merkwürdig „rundenbasiert“ die Kämpfe ablaufen: erst ist ein Gegner mit Schlagen dran, bis der nächste „darf“ vergehen oft einige Sekunden. Durch die relativ hohe Lebensenergie und Rüstung kann man also durchaus einige Zeit lang überleben, selbst wenn man die Tastatur nicht berührt. Ein weiteres Manko: die Waffenauswahl ist nun zwar deutlich größer, doch im Grunde spielt es kaum eine Rolle welche man benutzt. Sicher, man spürt einen Unterschied ob man nun die Armbrust (Fernkampfwaffe) oder ein Schwert benutzt – bis auf die Möglichkeit Rauchbomben oder Wurfmesser zu werfen, war es das aber auch schon. Die Waffen haben zwar unterschiedliche Werte, doch machen sich diese letztendlich kaum bemerkbar.
  1. Die Zivilisten. Und damit automatisch die Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit der Spielwelt. Hier wurden schon große Schritte in die richtige Richtung gemacht, ohne Zweifel – die Menschen verhalten sich authentisch und reagieren auf gewisse Dinge wie Akrobatikeinlagen oder Morde, Minnesänger kommen angelaufen und singen dem Spieler ein Ständchen, hier und da spucken Artisten Feuer, an vielen Ecken finden sich Ansammlungen bestimmter Gruppen, die Wachposten sind gut verteilt. Besonders eindrucksvoll gerät die (sonst aber eher sinnlose) Fähigkeit, Geld wegzuwerfen – das auf einem belebten Marktplatz, mit gierigen Menschen die sich auf die Münzen stürzen und dabei allerhand rufen – einfach stark. Dennoch, stellenweise hat man das Gefühl, immer noch zu wenig interagieren zu können. Man kann die Zivilisten nicht ansprechen, lediglich die nächsten Auftraggeber, Händler oder Personen in den Zwischensequenzen. Stichwort ansprechen: dies findet auch statt, wenn Ezio neue Assassinen rekrutiert – jedoch mit den immer gleichen Vertonungen. Das nervt irgendwann, und selbst in der riesigen Spielwelt hat man irgendwann einfach alle Sprüche und auch längere Reden gehört. Richtig dramatisch wurde dieser Dopplungseffekt aber nur einmal, in einer der Hauptmissionen: hier wurde ein und dieselbe Passage einfach immer wieder wiederholt, bis man den nächsten Story-Auslöser aktivierte. Eine höchst nervige Angelegenheit, diese sind zum Glück aber höchst selten, ebenso wie rare KI-Aussetzer. Die nächste Steigerung wäre wohl der Schritt, das entsprechende Spielvolk noch realistischer darzustellen – indem man auch Kinder und Greise in die Spielwelt integrieren würde. Das daraus keine moralischen Dilemmata entstehen müssen, zeigen Spiele wie FALLOUT 3. Aber auch allgemein würden noch ein paar mehr Interaktionsmöglichkeiten nicht verkehrt sein.

Promo-Bilder wie das eben verlinkte sehen natürlich prächtig aus – das an diesen Bildern in Wahrheit wenig gebastelt wurde, zeigt folgender Screenshot (klicken um auf Original-Spielauflösung zu vergrößern). Danach folgt eine Aufstellung der positiven und negativen Aspekte des Spiels.

Inhalt / Story
  • Erfrischend einzigartiges Story-in-der-Story-Konzept durch den Animus
  • Sinnige Fortführung der in Teil 1 begonnen Hauptgeschichte
  • Setzt direkt an Teil 2 an, fühlt sich aber dennoch an wie ein komplett neues Spiel
  • Toller Spannungsbogen
  • Sympathische, glaubhafte Charaktere
  • Markante Nebencharaktere (Leonardo Da Vinci)
  • Noch stärkeres Gefühl, für die „richtige Sache“ zu kämpfen
  • Rar gesäte Hintergrundinformationen (Stichwort Templer gegen Assassinen)
  • Erneut recht offenes Ende

9.5/10

Grafik / Design
  • Imposante, detailreich gestaltete Städte
  • Viele historische und architektonische Highlights
  • Teils malerische Gesamtbild-Kompositionen
  • In den Städten lebhafter Eindruck durch hohes Aufkommen von nett animierten NPC’s
  • Mischung aus atemberaubender Weitsicht (im Großen) und hohen Detailgraden (im Kleinen)
  • Schicke Wasseranimationen, Explosionen, Feuereffekte
  • Hübsche Zwischensequenzen in Ingame-Grafik

9.5/10

Sound
  • Tolle, glaubwürdige und atmosphärische Sprecher
  • Lebendige Natur- und Umgebungsgeräusche
  • Abwechslungsreiche Sprachsamples (in den Städten)
  • Abwechslungsreicher, stets passend erscheinender Soundtrack
  • Klassische Note des Soundtracks passt zu 100% zum Spiel
  • Einzelne Sprachsamples wiederholen sich irgendwann doch

9.5/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Belebt wirkende, atmosphärisch beeindruckende Städte
  • Abwechslungsreiche, nach und nach freischaltbare Levelabschnitte
  • Tolle Balance-Akte und Kletterpartien
  • Atmosphärische Romulus-Gräber mit Rätseleinlagen
  • Meist glaubhafte Reaktionen / glaubhaftes Verhalten von NPC’s und Wachen
  • Pferde jederzeit und überall als Reittiere nutzbar
  • Viele sammelbare Gegenstände
  • Unterschiedliche Waffen- und Rüstungstypen
  • Kein Moralsystem, dafür ein dem Spieler nahegelegter ‚Kodex‘
  • Kampfsystem gerade bei größeren Gegnerhorden noch ausbaufähig

9.0/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Geringe Ladezeiten
  • Automatisch gesetzte, meist faire Speicherpunkte
  • Schicke, ausführliche Menüs
  • Hilfestellungen durch Ingame-Tipps, Menüs, erwerbbare Schatzkarten
  • Recht fummelige, vergleichsweise komplizierte Steuerung mit Maus und Tastatur
  • Keine wirkliche Schnellreise-Option
  • Wegfindung der NPC’s nicht immer problemlos

9.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 30+

Fazit: BROTHERHOOD ist ein rundum gelungenes Spiel, welches den Spieler für weitaus mehr als die anderweitig angegeben 15-20 Stunden fesseln sollte. Wenn man sich den Spaß macht, dass Spiel auch wirklich zu 100% zu meistern ! Die Schwächen sind eher marginal, und können den positiven Gesamteindruck kaum verwässern. Eher freut man sich, nachdem man das Spiel durch hat, schon auf den nächsten Teil. Das Klassenziel wurde mit BROTHERHOOD also eindeutig erreicht.


„So gut wie der zweite Teil des Franchise.“

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