Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: RHAPSODY – Power Of The Dragonflame (2002)

Land: Italien – Genre: Epic Symphonic Power Metal

In Tenebris – 1:28
Knightrider of Doom – 3:56
Power of the Dragonflame – 4:27
The March of the Swordmaster – 5:03
When Demons Awake – 6:46
Agony Is My Name – 4:57
Lamento Eroico – 4:38
Steelgods of the Last Apocalypse – 5:48
The Pride of the Tyrant – 4:53
Gargoyles, Angels of Darkness – 19:02
I. Angeli di Pietra Mistica
II. Warlords‘ Last Challenge
III. …And the Legend Ends..

Das nunmehr fünfte Studioalbum der seit dem Meisterwerk Symphony Of Enchanted Lands mehr als bekannten Epic-Metaller von Rhapsody Of Fire führt die Emerald Sword-Sage weiter – und das natürlich stilecht. Das heisst, es werden wieder gnadenlos epische Kompositionen, spannende Geschichten und ein Höchstmaß an musikalischer Genialität und Abwechslung durch die Boxen rauschen. Bereits das Intro In Tenebris ist ähnlich episch und düster wie die jeweiligen der Vorgängeralben, und sorgt für das entsprechende Gänsehautgefühl – und explodierende Erwartungen ! Stichwort Explosionen: die apokalyptischen Chorgesänge des Intros gehen harmonisch in den Brachial-Kracher Knightrider Of Doom über. Oha, wer die kraftvolleren Titel der vorherigen Alben kennt und schätzt, der wird auch nun nicht enttäuscht werden. Erneut regiert ein flottes Tempo, epische Chorgesänge sind besonders im Refrain vernehmbar; einige klassische Elemente werden wieder geschickt in die Komposition integriert. Das besondere an diesem Titel, was ihn von den anderen älteren Hymnen abhebt, ist sicherlich die kurze (italienische) Passage vor dem Refrain, die für eine Tempoabwechslung und eine gewisse Einzigartigkeit (das soll ja auch weiterhin jeder einzelne Rhapsody-Titel sein) sorgt.

Und wieder gibt es kaum Ruhepausen – Power Of The Dragonflame ist DIE Titel-Hymne des Albums, welche ebenfalls als (leider höchst mäßige) Videoauskopplung ihren Weg zu den Hörern gefunden hat. Wohl zu Recht – denn dieser Titel bietet alles, was die Fans bis dato an Rhapsody Of Fire schätzen und liebten. Als wahrhaft besonders und episch stellt sich wieder einmal der Refrain heraus, der mit stimmungsvollen Chorgesängen und Filmmusik-Stimmung zu punkten weiss. Auch in Punkto Abwechslung wird einiges geboten: mal ist es der hämmernde (aber niemals zu vordergründige) Doublebass, mal ein gemäßigteres Tempo, mal eine äusserst gelungene Instrumentalpassage… auch wenn die klassischen Aspekte nicht mehr so stark vertreten sind, der vielleicht stärkste Track des Albums. The March Of The Swordmaster ist ein abermaliger Beweis für die musikalische Diversität und Vielfalt der Band: auch auf dieses Album trifft alles zu, nur nicht, dass es langweilig oder eintönig wäre. Der Refrain offenbart wieder die eindeutigen Epic Symphonic Anteile – Chorgesang und klassische Aspekte erzeugen eine atmosphärische Stimmung. Wie auch der (diesmal recht kurze) Instrumentalpart und der markant-kräftige Abschluss des Songs.

Danach folgt das mystische When Demons Awake, welcher zu Beginn noch mit klassischen Elementen und Frauengesang aufwartet – dann aber überraschenderweise doch noch zu einem Brecher wird. einem wahrlich aggressiven – zum ersten Mal hört man Fabio Lione in einer gänzlich anderen Stilrichtung singen. Hier werden sich die Geister scheiden – und in der Tat klingt das Ganze nicht so gut wie die generellen Leistungen des grandiosen Sängers. Es scheint, als hätte man zusätzliche Filter verwendet, um das Ganze noch rauer wirken zu lassen – nicht wirklich das gelbe vom Ei. Und auch der Refrain wirkt erstmalig nicht mehr ganz so episch und passend, es dominieren klar die Einflüsse aus dem Heavy Metal-Bereich (Schlagzeig und Gitarre), die klassischen Aspekte sind stark zurückgefahren. Agony Is My Name klingt da schon eingängiger und angenehmer, klingt allerdings ähnlich wie der Opener Knightrider Of Doom. Wirklich „neu“ und innovativ ist der Titel also nicht, zudem wirkt er etwas zu wenig abwechslungsreich und spielt nicht mehr so stark mit den musikalischen Stimmungen wie eben genanntes Beispiel. Dennoch gibt es wieder reichlich versiertes Instrumentenspiel, vereinzelte klassische Einschübe und guten Chorgesang. Das folgende Lamento Eroico ist eben dieses: ein etwas (zu sehr) lamentierendes Stück, zudem noch auf italienisch vorgetragen. Sicher, Fabio Lione weiss auch hier stimmlich zu überzeugen (besonders wenn es in Richtung Refrain geht) – doch an alte, höchst gefühlvolle Balladen die echte Highlights waren (Wings Of Destiny auf Symphony Of Enchanted Lands) reicht dieser Titel wohl keinesfalls heran, dafür wirkt er etwas zu befremdlich und einfach nicht eingängig genug.

Wie wäre es dann mit Steelgods Of The Last Apokalypse ? In der Tat beginnt der Titel sehr kräftig, und spielt wieder stark mit den Stimmungen: mal ruhig-dramatisch, mal gnadenlos kräftig-schmetternd, mal Heavy, mal Symphonic… hier spielen Rhapsody Of Fire wieder ihr volles Potential aus. Der Refrain ist überaus markant, und sorgt für reichlich Atmosphäre und Stimmung. Auch Pride Of The Tyrant knüpft an diese Stimmung an, ein Heavy Metal mit Schmackes kombiniert mit reichlich Filmmusik-Elementen, Chorgesang und einer Instrumentenvielfalt ohne Gleichen. Einzig der Eindruck der Eingängigkeit, die man noch besonders auf Symphony Of Enchanted Lands und Dawn Of Victory stets präsent war, will hier nicht so richtig aufkommen. Zum Abschluss serviert die Band das beinahe 20-minüte Epos Gargoyles, Angels Of Darkness; welches demnach nochmals in 3 Abschnitte unterteilt ist. Der Titel beginnt sehr ruhig – was gut ist, könnte man hier meinen ein ganz anderes Album einer ganz anderen Band zu hören. Einfach wunderbar, dieser (noch minimalistische) zupfende Gitarrenklang – ab der zweiten Minute kommt dann das Schlagzeug hinzu, und der Titel entwickelt sich mehr und mehr zu einem recht verspielten Epos mit allerlei Höhen und Tiefen. Zu einer Übersicht der einzelnen Titel mit Wertungsvergabe:

In Tenebris – 9/10
Knightrider of Doom – 10/10
Power of the Dragonflame – 10/10
The March of the Swordmaster – 10/10
When Demons Awake – 7/10
Agony Is My Name – 9/10
Lamento Eroico – 7/10
Steelgods of the Last Apocalypse – 9/10
The Pride of the Tyrant – 9/10
Gargoyles, Angels of Darkness – 8/10

Schlussendlich: sicher ist auch dieses 2002’er Werk von Rhapsody Of Fire nicht zu verachten, und schon gar nicht in technisch-kompositorischer Hinsicht. Dennoch muss man hier als, besonders als Fan der ersten Stunde und der ersten Alben, eine Lanze brechen: und zwar in Bezug auf den Faktor Originalität. Besonders das zweite Studioalbum war technisch schon so perfekt wie dieses hier, galt aber zudem als echtes musikalisches Novum. Diesen Faktor gibt es nun eben nicht mehr – da die Band wenig neues wagt, und wenn, dann womöglicherweise in eher umstrittene Richtungen (Richtung Heavy Metal, Richtung Hörspiel). Andererseits ist es auch gut, dass sich die Band treu bleibt und auch dieses Album zumindest sehr ähnlich wie die anderen klingt – aber dann muss man eben damit rechnen, dass die Fans hier nicht viel neues geboten bekommen und wohl eher zu den „Originalen“ greifen (Alben 1-3). So wird das Ganze zwar nie wirklich langweilig, aber eben doch leicht vorhersehbar. Dennoch lassen sich einfach keine qualitativen Abstriche ausmachen, eher im Gegenteil.  

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