Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Stone“ (2010)

Filmtitel: Stone
Regie:
John Curran
Mit:
Robert De Niro – Edward Norton – Milla Jovovich
Laufzeit: 105 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama

Inhalt: Bewährungshelfer Jack Mabry (Robert De Niro) aus Michigan ist von Beruf Bewährungshelfer und macht seinen Job offenbar weniger aus Passion, als aus einem reinen Pflichtgedanken. Gedanklich bereitet er sich schon auf seine baldige Pensionierung vor, und ist beruhigt in dem Wissen, dass der Straftäter Gerald Creeson aka Stone (Edward Norton) einer seiner letzten „Mandanten“ sein wird. Doch der hat es richtig dick auf der Pfanne. Doch das liegt weniger an der Tat wegen der er verurteilt wurde – wegen schwerer Brandstiftung – nein, es liegt daran, dass er das Gespräch mit Jack direkt sucht. Und sogar seine Frau Lucetta (Milla Jovovich) tritt in Aktion – von ausserhalb versucht sie, Jack zu beeinflussen um so eine vorzeitige Entlassung ihres Mannes zu erwirken. Der hat derweil aber eigentlich ganz andere Probleme, die schon seit vielen Jahren andauern: seine Ehe mit seiner Frau Madylyn (Frances Conroy) steht schon längst unter keinem guten Stern mehr. Madylyn trinkt schon am frühen Nachmittag Alkohol, und hat sogar schon einmal versucht, ihren Mann zu verlassen – doch der zwang sie mit einem entsprechenden Druckmittel, bei ihm zu bleiben. Es scheint, als würde Stone all dies zumindest ansatzweise ahnen… immer wieder fragt er Jack in den Gesprächen, wie lange man für eine Sünde büßen müsste, und ob nicht auch er schon einmal eine Missetat begangen hat. Wer hat hier nun Schuld oder nicht, und was ist das überhaupt ? Und wird es Lucetta schaffen, Jack „ihrem“ Stone zuliebe mit ihrer charmanten Art zu „überreden“ ?

Kritik: Bei Stone handelt es sich keinesfalls um einen expliziten Thriller. Stattdessen wird der starke Drama-Charakter schnell offensichtlich, die Geschichte wirkt schwermütig erzählt und kommt auch inhaltlich nur in einem langsamen Tempo voran. Es geht um Schuld und Sühne – und um eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung zwischen einem Ehepaar und einem Bewährungshelfer. Zu Robert De Niro gesellen sich in den Hauptrollen also noch zwei weitere, recht hochkarätige Hollywood-Stars: Milla Jovovich und Edward Norton. Mit dieser Starbesetzung hat man nun versucht, einen anspruchsvollen, andersartigen Film fernab des Mainstreams zu machen – ein Schuss, der wohl größtenteils nach hinten losging. Denn an den US-Kinokassen floppte der Film gnadenlos, und hierzulande wurde er nun direkt auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht.


Doch dies liegt keinesfalls an den Stars, oder deren Kombination mit einem vielleicht gewagten, sehr stillen Filmkonzept. Nein, es liegt ausschließlich an der Arbeit der Drehbuchautoren und des Regisseurs, die diesen eigentlich vielversprechenden Erzählstoff zu einer filmischen Einschlafhilfe erster Güteklasse mutieren lassen. Sicher, bei einem Drama gelten grundsätzlich andere Regeln in Bezug auf den „Unterhaltungswert“ – Menschen, die auf reißerische Action, atemberaubende Effekte oder ein schnelles Erzähltempo wert legen, sind ohnehin falsch beraten. Doch das ist nichts neues – dass man selbst als Drama-Freund, der durchaus auch mal stillere Werke zu schätzen weiss aber geradezu zum Einschlafen genötigt wird, dagegen schon. Denn dieser Film macht relativ viel falsch: dies beginnt im Grunde mit der flach ausstaffierten Story. Ein Grundpotential ist sicherlich vorhanden, doch das letztendliche Ergebnis überrascht eher durch eine inhaltliche Leere und eine gewisse Form der Pseudo-Philosophie. Mit allerlei bedeutungsschweren Kameraschwenks und einem Fokus auf etwas „höheres“ – einen höheren Sinn, eine höhere Ordnung (zu der Stone später ebenfalls findet) – wird dem Zuschauer unermüdlich suggeriert, dass hier einfach noch viel mehr dahintersteckt als das, was man mit dem blossen Auge sieht. Nur was genau sollte das sein… ? In der Tat, es nur das, was man als Zuschauer zwischen das Geschehen hineininterpretiert. Und das fällt nun einmal von Fall zu Fall unterschiedlich aus. Etwas an der Sache ist aber durchaus objektiv zu bewerten: die Tatsache, dass das „Angebot“ in Bezug auf Interpretationsansätze sehr, sehr mau ist.

So werden die Aspekte, die offenbar „über“ der Haupthandlung stehen (die schon lange kriselnde Ehe, die „Gefangenschaft“ in eingefahrenen Situationen) allerhöchstens ansatzweise behandelt. Stattdessen erleben wir als Zuschauer die – zugegeben recht langwierigen – Dialoge zwischen einem Gefangenen und einem Bewährungshelfer, die uns kaum Aufschluss über deren Charakter geben. Es könnte auch alles bloss ein Spiel sein – besonders für Stone. Es könnte – doch finden sich keine Anhaltspunkte, die dafür oder dagegen sprechen. Später schwenkt der Fokus dann auf die sich anbahnende Beziehung zwischen Jack und Lucetta, die natürlich auch durch einen gewissen… Körperkontakt geprägt ist. Was genau uns die Macher hiermit sagen wollen, ist ebenfalls nicht wirklich ersichtlich. Oder aber, man nimmt es so banal hin wie es präsentiert wird: auch Jack besitzt keine weisse Weste mehr, und ist daher kaum in der Position und Verantwortung, Stone auf dieser Seite des Schreibtisches gegenüber zu sitzen – was zu einem moralischen Dilemma führt. Wer also ist nun der „böse“ ? Von wegen banal – dies ist wohl schon eine der tiefgründigsten Aussagen, die man aus diesem Machwerk entnehmen kann, könnte. Der Rest bleibt oberflächlich und schwer zu deuten, sofern es überhaupt etwas zu deuten gibt. Es scheint, als würden die Dinge in Stone einfach geschehen – und da sie doch relativ unspektakulär sind, hat man stattdessen einen vermeintlichen Philosophie- und Religionstouch eingeschoben, um dem Film zumindest überhaupt eine Existenzberechtigung zu geben.

Stone ist also kein Thriller, da er einer jeglichen Spannung entbehrt. Er ist aber auch kein Drama, da zu keiner Zeit wirkliche Empathie für die Charaktere aufkommen kann, und die Ereignisse eher monoton inszeniert werden; ohne zu irgendeinem Zeitpunkt an die Emotionen des Zuschauers zu appellieren. So wird man nach dem Film wahrscheinlich gleichgültig aus der Vorstellung gehen – viel wird einem nicht im Gedächtnis bleiben. So wohl auch nicht die technischen Aspekte: der Soundtrack kommt entsprechend leise und unspektakulär daher, man wird ihn kaum bemerken – und auch die allgemeine Optik weiss nicht gerade durch besondere Nuancen zu begeistern. Der Film ist grau in grau gehalten, und vielleicht noch ein wenig in grün – da besonders die Optik im Haus von Familie Mabry im Motten-Stil der 80er Jahre stagniert zu sein scheint. Immerhin sind die Darsteller durchaus fähig, doch aus diesem Drehbuch wäre wohl niemand in der Lage, etwas halbwegs annehmbares herauszuprojizieren. So bleibt ein Edward Norton stets der gleiche undurchsichtige Kriminelle (oder eben nicht ?), Robert De Niro der leicht aggressive, verbitterte und unausstehliche Ehemann, Frances Conroy die seit mehreren Jahrzehnten geschundene und depressive Ehefrau, Milla Jovovich die Kindergarten-Dame mit dem Verführerblick und der Verführerstimme. Das ist beileibe etwas wenig, und schade in Anbetracht der Fähigkeiten dieser teilweise großartigen Schauspieler.

Fazit: Schlussendlich bleibt zu sagen: höre auf den Flügelschlag der Fliege, werde zur Stimmgabel Gottes und durchschaue die Prophezeiungen der großen, allwissenden Entität ! Dann vielleicht wird sich einem der Sinn dieses kruden, sterbenslangweiligen und sogar leicht depressiven Machwerkes (warum nur ist alles so sinnlos…?) erschließen.

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