Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Evan Allmächtig“ (2009)

Originaltitel: Evan Almighty
Regisseur:
Tom Shadyac
Mit : /
Laufzeit:
95 Minuten
Land:
USA
Genre:
Komödie

Inhalt: Das Leben des chaotischen Reporters Evan Baxter (Steve Carell) gleicht am ehesten einer turbulenten Achterbahnfahrt. Mal geht es abwärts (siehe Bruce Allmächtig, wo er als Nachrichtensprecher von Bruce veräppelt wurde), mal aufwärts – und mal hat auch er einen Draht nach ganz oben. Gott persönlich (erneut gespielt von Morgan Freeman) erteilt ihm einen speziellen Auftrag, der auch beinhaltet, dass er sein Glück in der Politik versuchen soll. Immerhin stehen die Chancen ob des allzu himmlischen Beistandes recht gut – doch leider hat er nicht damit gerechnet, dass er auch noch eine neue Arche Noah bauen muss. Der Aufwand scheint enorm, und ausserdem hat Evan noch genügend Probleme innerhalb seiner Familie. Und, seine Karriere als Kongressabgeordneter meistert sich eben auch nicht von allein… wird er es schaffen, all diese Dinge unter einen Hut zu bringen ?

Kritik: Zugegeben ist dies eine Frage, die Sie, verehrte Leser, nicht wirklich interessieren sollte – es sei denn, sie wollen sehen, was für ein unendlich mieses Sequel man zum eigentlich guten und erfolgreichen Film Bruce Allmächtig (2003) geschaffen hat. Die qualitativen Unterschiede spiegeln sich im übrigen in allen Bereichen wieder: so ist auch das Filmteam ein komplett anderes. Selbstverständlich haben die „Stars“ des Originals, Jim Carrey und Jennifer Aniston, ebenfalls nichts mehr mit dieser mehr als fragwürdigen Fortsetzung zu tun. Was also bleibt ? In der Tat – ein recht liebloses, von moralinsauren Botschaften nur so strotzendes Machwerk. Ein absolut scheinheiliges noch dazu – denn während der Film eine möglichst schonende Ökologie und einen symbiotischen Mensch-Umwelt-Bezug propagiert, ist er gleichzeitig eine der teuersten Komödien überhaupt. Besagter Kostenfaktor lässt sich hauptsächlich auf die mehr als unwirtschaftlichen Spezialeffekte zurückführen, die in Sachen Dramaturgie besonders im späteren Verlauf einer Emmerich-Zerstörungsorgie gleichen. Tatsächlich belaufen sich die Gesamtkosten auf schier unvorstellbare 175 Millionen Dollar, was nicht nur für eine derart miese Komödie viel ist. Schizophren, und einfach nur eine Frechheit ? Vielleicht.

Leider bietet der Film auch sonst wirklich keinerlei positive Aspekte. Sucht man filmische Innovation, einen halbwegs intelligenten Witz, Charme oder Verspieltheit – so sollte man besser zum Original, dass heisst Bruce Allmächtig greifen. Während die Thematik „Religion“ im Vorgänger zwar auch eine Bedeutung hatte (eher untergeordnet), mutiert Evan Allmächtig nun beinahe zu einem Werbefilm für das Christentum. Zu einem miesen noch dazu: denn selbst in dieser Hinsicht bleibt er absolut oberflächlich und trivial. Besonders der Bau der Arche ist von allzu offensichtlichen Botschaften überladen, und wirkt wie von einem Bibeltreuen inszeniert. Man sollte bloss keine Fragen stellen: mit „Gottes Hilfe“ klappt anscheinend eben alles, selbst eine 200 Meter lange Arche ist schnell (und im hauseigenen Garten) erbaut und natürlich voll funktionstüchtig. Wenn besagter „Gott“ aber lediglich den merkwürdigen Auftrag erteilt, und der Hauptprotagonist alles in Eigenregie zusammenschustert (gut, ein wenig Kinderarbeit eventuell inklusive), dann schlägt man sich selbst bei einer Komödie die Hände über dem Kopf zusammen. All diese Darstellungen sind lediglich ein wenig „überspitzt“ dargestellt, verlieren aber nichts von ihrer Grundsubstanz, sagen Sie ? Dann muss ich mit dem Stichwort „Subtilität“ kontern, von der ich gerne mehr gesehen hätte in diesem Machwerk ohne nachvollziehbare Zielgruppe.

Gott, was für ein unendlich mieser (und erbarmungslos verschwenderischer) Film...

Schließlich ist der Film für eine „Familienkomödie“ einfach nur viel zu dämlich, jüngere Kinder werden eventuell noch Spaß haben an den tierischen Darstellungen und den eher schlecht als recht inszenierten Running-Gags, die vom Hauptcharakter am laufenden Band serviert werden. Stichwort Hauptcharakter: Steve Carell steht als Darsteller im leidlichen Mittelpunkt dieser Komödie, und glänzt eher mit einer abstrusen, kindlichen Situationskomik und seiner irgendwann nur noch nervigen Mimik – und nicht mit gutem Witz oder innovativen Dialogen. Überhaupt, die sogenannten „Witze“ sind meist nicht mehr als plumpe Slapstick-Einlagen a’la au-ich-habe-meinen-Kopf-gestossen, folglich also wenig originell. So etwas hat man schon zig Mal in anderen Komödien gesehen, und auch besagte Gesichtsakrobatik erinnert stark an Mister Bean und erfindet das Rad nicht neu. Die Tiere hätten eventuell noch am ehesten für einen kleinen „Niedlichkeitsfaktor“ sorgen können; nun ja – wenn dies aber so offensichtlich und mit peinlichen Gags geschieht (und selbige Tiere zum Teil auch noch animiert sind), dann erübrigt sich ein weiterer Kommentar.

Wie sehr man es auch dreht und wendet, das Endergebnis steht in keinerlei Verhältnis zu den horrenden Kosten. Waren es neben den Spezialeffekten etwa die Gagen für die Darsteller, die die Kosten in die Höhe schnellen liessen ? Das Problem ist, dass dies allerhöchstens im Fall von Steve Carell gerechtfertigt erscheint. Nein, leider nicht aufgrund seiner Leistung, aber zumindest von der reinen Screentime und Wichtigkeit her – alle anderen (besonders die Familienmitglieder) mutieren zu seelenlosen Komparsen ohne eine jegliche Bedeutung und Wirkung.

Fazit: Schlussendlich bleibt die Feststellung, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Welch treffende Weisheit für einen derart aufgeblasenen, vor scheinheiligen Glanz strahlendem Film. Eine gehörige Portion Religion, eine nicht unerhebliche Prise Öko-Touch, und ganz viel billiger Slapstick; untermalt von gar sündhaft teuren filmischen Maßnahmen. Dieses Werk ist nicht heilig, sondern das absolute Gegenteil.

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